Angststörungen

Angst ist an sich kein pathologisches Symptom wenn es als Warnzeichen für eine tatsächliche Bedrohung oder Gefahr auftritt.
Tritt Angst in Situationen oder vor Objekten auf, die real keine Bedrohung oder Gefahr darstellen, ist sie als pathologisches Symptom zu werten.

Bei Angststörungen sind in erster Linie die Emotionen und Stimmungen betroffen.
Hierzu zählen:

  • Phobische Angststörung (spezielle Objekte oder spezielle Situationen betreffend)
  • Panikstörung
  • Generalisierte Angststörung
  • Zwangsstörungen
  • Formen der dissoziativen Störungen, Konversionsstörung
  • Somatoforme Störungen

Phobische Angststörung:
Unter einer Phobie versteht man die krankhafte Angst vor bestimmten äußeren Objekten. Es werden Situationen als gefährlich empfunden, die im Allgemeinen ungefährlich sind. Bei einer phobischen Störung, wird Angst durch eindeutig definierte, im Grunde ungefährliche Situationen hervorgerufen. Phobische Angst ist subjektiv, physiologisch und im Verhalten von natürlicher Realangst nicht zu unterscheiden und reicht von leichtem Unbehagen bis zur panischen Angst. Allein die Vorstellung, dass die phobische Situation eintreten könnte, erzeugt bei den Betroffenen meist schon eine Erwartungsangst.

Hier tritt Angst überwiegend in spezifischen Situationen oder bei Kontakt mit bestimmten Objekten auf, die an sich genommen ungefährlich sind wie
z.B. Tiere: Spinnen, Schlangen, Hunde, Mäuse usw.; Räumliche Gegebenheiten: enge Räume, große Höhe usw.; Umweltereignisse: Sturm, Feuer, Gewitter usw.; Krankheiten und medizinische Interventionen: Verletzungen, Krebs, Aids, Spritzen, Zahnarztbesuche

Panikstörung:
Panik ist ein Zustand äußerster Angst vor gegenwärtiger oder angenommener (Lebens-) Gefahr.
Von einer Panikstörung wird gesprochen wenn eine Person wiederholt schwere Angstattacken (Panik) erlebt und befürchtet, dass sie erneut auftreten könnten. Während der Panikattacke suchen die Betroffenen oft Hilfe bei Begleitpersonen, rufen den Notarzt oder versuchen, sich an einen sicheren Ort zu flüchten (meist zu Hause).

Panikstörungen sind gekennzeichnet durch:
 – Wiederkehrende schwere Angstattacken auch ohne erkennbaren Anlass
 – Begleitende vegetative Symptomatik wie: Herzklopfen oder –rasen, Schweißausbrüche, Zittern, Mundtrockenheit,
Atembeschwerden, Beklemmungsgefühl, Übelkeit, Brust- oder Bauchschmerzen
 – Psychische Symptomatik: Gefühl von Schwindel, Benommenheit, Schwäche, Derealisations- und Depersonalisationserleben,
Angst vor Kontrollverlust, Angst zu sterben.

Generalisierte Angststörung:
Menschen mit einer generalisierten Angststörung sind fast ständig von Angst begleitet und können den Grund dafür oft nicht benennen. Das Angstgefühl äußert sich in erster Linie durch Sorgen und Befürchtungen. Sie machen sich ständig Gedanken um alltägliche Angelegenheiten. Mal kreisen sie um Krankheiten, das Alter, Sterben oder Unfälle, um die Kinder, Partner oder Alltagsereignisse. Betroffene die unter einer generalisierten Angststörung leiden, fühlen sich ihren Ängsten hilflos ausgeliefert und ihre Gedanken drehen sich wie ein Karussell mehrere Stunden am Tag um mögliche Gefahren und Bedrohungen (sich selbst oder Angehörige betreffend).

Die generalisierte Angststörung ist definiert als eine anhaltende Angst, die sich nicht auf bestimmte Situationen oder Objekte bezieht. Die ängstliche Grundstimmung bezieht dabei fast alle Lebensbereiche mit ein und ist durch ihre Intensität von den Sorgen gesunder Menschen zu unterscheiden. Den Ängsten liegen im Allgemeinen keine tatsächlichen Bedrohungen und Gefahren zu Grunde.
Die Symptomatik zeichnet sich wie folgt aus:
 – Frei flottierende Ängste und Befürchtungen (Sorge über zukünftiges Unglück, Sorgen über alltägliche Dinge,
über eigene Gesundheit und über Wohlergehen nahestehender Personen)
 – Vermehrte Grübelneigung
 – Motorische Anspannung mit Schlafstörungen (innere Anspannung, Unruhe, Nervosität, Unfähigkeit zur Entspannung,
Muskelverspannung, diffuse Schmerzen)
 – Vegetative Überregbarkeit (Beklemmungsgefühl, Schreckhaftigkeit, Schweißausbrüche, Durchfall, Atemnot, Zittern, Schwitzen)
 – Entfremdungserleben (Derealisation-, Depersonalisation)
– 
Depressivität

Zwangsstörungen:
Unter Zwangsstörungen versteht man zeitraubende Verhaltensmuster, die den Alltag des Betroffenen stark beeinflussen und erhebliches Leid verursachen. Das Hauptmerkmal von Zwangsstörungen sind immer wiederkehrende Zwangsgedanken (-impulse) und / oder Zwangshandlungen, die sich je nach Art des Zwanges in verschiedenen Alltagssituationen zeigen.

Zwangsstörungen sind psychische Störungen, bei denen Zwangsgedanken (-impulse) und Zwangshandlungen im Vordergrund der Symptomatik stehen.
Charakteristikum der Zwangsgedanken sind sich immer wieder aufdrängende Gedanken, die trotz der erkennbaren Unsinnigkeit nicht unterdrückt werden können. Inhaltlich beziehen sich die Zwangsgedanken auf die Angst, sich zu verschmutzen, andere zu verletzen, selbst erkrankt zu sein oder bestimmte Dinge nicht erledigt zu haben.
Zwangshandlungen sind ritualisierte Handlungen, die vom Betroffenen wiederholt ausgeführt werden müssen, um eine innere Anspannung abzubauen
(z.B. Kontrollzwang (Tür/Fenster… geschlossen? Licht aus? Herd ausgeschaltet?, Rituelle Waschungen bei Angst vor Krankheitserregern, sich vergewissern ob man keine Fehler gemacht hat, Zählzwang usw.). Die Handlungen erscheinen dem Betroffenen selbst als sinnlos, quälend oder übertrieben. Wird die Handlung unterdrückt, baut sich beim Betroffenen eine innere Anspannung und Unruhe auf, die erst durch das Zwangsritual kurzfristig neutralisiert wird.

Zu den Symptomen einer Zwangsstörung gehören:
 – Zwangsgedanken und –impulse
 – Zwangshandlungen
 – Einbeziehung von Familienangehörigen in die Zwangsrituale
 – Vermeidungsverhalten bis hin zur sozialen Isolation
 – Generalisierung
 – Verheimlichung der Symptomatik aus Scham
 – Deutliche Beeinträchtigungen der privaten und beruflichen Lebensführung

Konversionsstörungen (dissoziative Störungen):
Kennzeichen von Konversionsstörungen und dissoziativer Störungen, sind teilweise oder vollständige Entkoppelungen von seelischen und körperlichen Funktionen.
Grundsätzlich versteht man unter Konversion einen Prozess, in dem etwas umgewandelt wird. Im Bereich der psychischen Erkrankungen spricht man im Allgemeinen immer dann von einer Konversion wenn ein seelischer Konflikt vom normalen Erleben abgespalten oder abgekoppelt und in ein körperliches Symptom umgewandelt wird ohne dass es eine erkennbare organische Ursache dafür gibt. Dabei kann der ungelöste, unbearbeitete seelische Konflikt in Form vieler verschiedener körperlicher Symptome und Beschwerden (nicht selten auch neurologischer Art) zum Ausdruck kommen.

Das allgemeine Kennzeichen einer dissoziativen Störung (Bewusstseinsebene), ist der Verlust der normalen Integration von Erinnerungen an die Vergangenheit und des Identitätsbewusstseins. Die Konversionsstörung (motorische Ebene) zeigt sich bei Empfindungen sowie der Kontrolle von Körperbewegungen.

Somatisierungsstörungen:
Die Somatisierungsstörung ist ein chronisches Krankheitsbild, das meist über mindestens zwei Jahre verläuft und mit gravierenden Gesundheitseinschränkungen verbunden ist. Charakteristisch für die Somatisierungsstörungen sind multiple, wiederholt auftretende und häufig wechselnde körperliche Symptome. Viele der Betroffenen werden im wahrsten Sinne von „Ponius zu Pilatus“ geschickt – von ihrem Hausarzt zu spezialisierten Fachärzten und jedes mal verlaufen die Untersuchungen ohne Ergebnisse.

Charakteristisch für Somatisierungsstörungen sind häufig wechselnde körperliche Symptome, die über einen längeren Zeitraum bestehen und jedes Körperteil bzw. -system betreffen können. Obligat ist trotz vielfacher Abklärung durch den Haus- und Facharzt, das Fehlen einer organischen Ursache für die Beschwerden.

Bevorzugte Organsysteme sind:
 – der Magen-Darm-Trakt
 – das kardiovaskuläre System
 – der Bewegungsapparat
 – der Atemtrakt
 – das Urogenitale System u.a.

Sollten Sie davon betroffen sein, nehmen Sie Kontakt mit mir auf.

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